Wie Ostereier perforiert werden

Schauen Sie Horst Opiola beim Fräsen der Ostereier über die Schulter im Video des Mühlacker Tagblatts:

Lesen Sie auch den zugehörigen MT Artikel Die Geschichte vom Hasen und vom Igel auf einem Gänseei vom 04.April 2015


Die Ostereierkunst ist ein alter Brauch. Unzählige Verzierungstechniken stehen dem Osterfreund zur Verfügung und gewöhnlich wird auf die Schale etwas aufgetragen. Bei den perforierten Ostereiern ist es umgekehrt, hier entspringen die Motive durch abtragen der zerbrechlichen Eierschale.

Als Inspiration dienen vor allem eigene Beobachtungen aber auch Bewegungsabläufe aus Biologiebüchern oder Scherenschnitte.

vorlage

Mit ruhiger Hand und stundenlanger Konzentration wird mit einem Proxxon Bohrer der fragilen Schale zu Leibe gerückt. Bei Straußeneiern kommt ein kleiner Fräser zum Einsatz.

perforation bohren bohrer

Spezielle Ostereier

Mit viel Geduld und Nervenstärke

von  Joachim Kinzinger, Heilbronner Stimme (Erscheinungsdatum?)

Er braucht eine ruhige Hand, sehr viel Gefühl, Geduld und Zeit. Wenn der Druck zu stark wird, der Fräser einmal außer Kontrolle gerät, ist alles kaputt. Horst Opiola aus Ellhofen ist ein Meister der filigranen Perforation. Er fertigt Sammlerstücke aus Gänse- und Enteneier mit vielen Motiven.

Leise surrt die Maschine mit der biegsamen Welle. Voll konzentriert umschließt der 59-Jährige mit der linken Hand das ausgeblasene Gänseei. Nicht zu locker, nicht zu fest, um Vibrationen und Risse zu vermeiden. Er greift mit der rechten Hand zum Fräser. Butterweich dringt der Diamantbohrer in die dünne Eischale ein.

Dann fräst Opiola feine Stege, kleinste Dornenspitzen aus. Immer wieder pustet er den Kalkstaub weg, folgt den aufgezeichneten Linien beim Dornröschenmotiv. Je nach Schwierigkeitsgrad braucht er bis zu 40 Stunden für ein fertiges Ei, für das Sammler bis zu 650 Mark bezahlen.

„Das ist mein Hobby“, sagt der Lehrer strahlend, der an der Willsbacher Michael-Beheim-Schule unterrichtet. Eier haben Opiola schon immer fasziniert. In einem großen Korb im Wohnzimmer liegen verzierte Hochglanzeier mit Blumenmotiven. Manche davon sind schon über 20 Jahre alt, haben dennoch ihren vollen Farbglanz bewahrt.

1990 liest er in der Heilbronner Stimme einen Artikel über einen Zahnarzt, der Löcher in Eier fräst und Bildmotive anfertigt, zuvor die Eier aber auf Haarrisse röntgt. Der Ellhofener ist zwar beeindruckt aber zugleich skeptisch: „Das ist nichts für mich.“ Erst als ihm sein Schwiegervater ein hochtouriges Maschinchen mit 20 000 Umdrehungen/min schenkt, wagt er die ersten Versuche, bohrt Löcher in ein Gänseei. „Es hat gehalten“, freut sich Opiola und probiert Blumenmotive aus.

Seither lässt ihn die Faszination des Perforierens nicht mehr los. Er und seine Frau messen die Gänse- und Enteneier bei geometrischen Formen wie Sternen oder der Weltkugel genau aus. Auf Papier werden vielfältige Bilder gezeichnet: Märchenfiguren, tanzende Mäuse, Drachen, Boote, Osterhasen. Das jeweilige Motiv wird abgepaust und auf das Ei geklebt. „Ich will das Ganze sehen“, erzählt der Hobbykünstler. Erst dann schaltet er die Maschine an. Seine Spezialität ist auch eine Spirale, die an einem Dorn aufgehängt ist und wippt, wenn man das Ei bewegt.

Opiola braucht gute Nerven, muss manche Enttäuschung wegstecken. Besonders bei schwierigen Motiven ist der Grat zwischen Erfolg und Misserfolg, wie ein „verkorkstes Dornröschen“ zeigt. Eigentlich war dieses Kunstwerk schon fertig. „An der Spindel musste nur noch eine Kleinigkeit weg“, sagt der Ellhofener. Schon war es passiert, ein Riss, und das Ei war wertlosAber die Freude über viele gelungene Werke und Sammlerstücke wiegen das wieder auf: „Mir macht es sehr viel Spaß“.

Der Ellhofener Bürger zeigt und verkauft seine Kunsteier auch auf Ostereiermärkten in Köln, Bonn, Erlangen, im Kloster Eberbach, in Maulbronn oder jüngst in Obereieseheim. Dort musste er viele Fragen beantworten. Wie machen sie das? Ist da ein Trick dabei? Wie wird das Ei ausgeblasen? Bereitwillig gibt er Auskunft. Und wie bekommt er die Eihaut heraus? Horst Opiola sagt schmunzelnd: „Das ist und bleibt ein Betriebsgeheimnis.“

Dornröschen

ein Märchen aus der Sammlung der Brüder Grimm

Ein König und eine Königin kriegten gar keine Kinder, und hätten so gern eins gehabt. Einmal saß die Königin im Bade, da kroch ein Krebs aus dem Wasser ans Land und sprach: »dein Wunsch wird bald erfüllt werden und du wirst eine Tochter zur Welt bringen.« Das traf auch ein, und der König war so erfreut über die Geburt der Prinzessin, daß er ein großes Fest anstellen ließ, und dazu lud er auch die Feen ein, die im Lande waren, weil er nur zwölf goldene Teller hatte, konnte er eine nicht einladen: es waren ihrer nemlich dreizehen. Die Feen kamen zu dem Fest, und beschenkten das Kind am Ende desselben: die eine mit Tugend, die zweite mit Schönheit und so die andern mit allem, was nur auf der Welt herrlich und zu wünschen war, wie aber eben die elfte ihr Geschenk gesagt hatte, trat die dreizehnte herein, recht zornig, daß sie nicht war eingeladen worden und rief: »weil ihr mich nicht gebeten, so sage ich euch, daß eure Tochter in ihrem funfzehnten Jahre an einer Spindel sich stechen und todt hinfallen wird.« Die Eltern erschracken, aber die zwölfte Fee hatte noch einen Wunsch zu thun, da sprach sie: »es soll aber kein Tod seyn, sie soll nur hundert Jahr in einen tiefen Schlaf fallen.«
Der König hoffte immer noch sein liebes Kind zu erretten, und ließ den Befehl ausgehen, daß alle Spindeln im ganzen Königreich sollten abgeschafft werden. Die Prinzessin aber wuchs heran, und war ein Wunder von Schönheit. Eines Tags, als sie ihr funfzehntes Jahr eben erreicht hatte, war der König und die Königin ausgegangen, und sie ganz allein im Schloß, da ging sie aller Orten herum nach ihrer Lust, endlich kam sie auch an einen alten Thurm. Eine enge Treppe führte dazu, und da sie neugierig war, stieg sie hinauf und gelangte zu einer kleinen Thüre, darin steckte ein gelber Schlüssel, den drehte sie um, da sprang die Thüre auf und sie war in einem kleinen Stübchen, darin saß eine alte Frau und spann ihren Flachs. Die alte Frau gefiel ihr wohl, und sie machte Scherz mit ihr und sagte, sie wollte auch einmal spinnen, und nahm ihr die Spindel aus der Hand. Kaum aber hatte sie die Spindel angerührt, so stach sie sich damit, und alsbald fiel sie nieder in einen tiefen Schlaf. In dem Augenblick kam der König mit dem ganzen Hofstaat zurück, und da fing alles an einzuschlafen, die Pferde in den Ställen, die Tauben auf dem Dach, die Hunde im Hof, die Fliegen an den Wänden, ja das Feuer, das auf dem Heerde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch ließ den Küchenjungen los, den er an den Haaren ziehen wollte, und die Magd ließ das Huhn fallen, das sie rupfte und schlief, und um das ganze Schloß zog sich eine Dornhecke hoch und immer höher, so daß man gar nichts mehr davon sah.

Prinzen, die von dem schönen Dornröschen gehört hatten, kamen und wollten es befreien, aber sie konnten durch die Hecke nicht hindurch dringen, es war als hielten sich die Dornen fest wie an Händen zusammen, und sie blieben darin hängen und kamen jämmerlich um. So währte das lange, lange Jahre: da zog einmal ein Königssohn durch das Land, dem erzählte ein alter Mann davon, man glaube, daß hinter der Dornhecke ein Schloß stehe, und eine wunderschöne Prinzessin schlafe darin mit ihrem ganzen Hofstaat; sein Großvater habe ihm gesagt, daß sonst viele Prinzen gekommen wären und hätten hindurchdringen wollen, sie wären aber in den Dornen hängen geblieben und todtgestochen worden. »Das soll mich nicht schrecken, sagte der Königssohn, ich will durch die Hecke dringen und das schöne Dornröschen befreien;« da ging er fort, und wie er zu der Dornhecke kam, waren es lauter Blumen, die thaten sich von einander, und er ging hindurch, und hinter ihm wurden es wieder Dornen. Da kam er ins Schloß, und in dem Hof lagen die Pferde und schliefen, und die bunten Jagdhunde, und auf dem Dach saßen die Tauben und hatten ihre Köpfchen in den Flügel gesteckt, und wie er hineinkam, schliefen die Fliegen an den Wänden, und das Feuer in der Küche, der Koch und die Magd, da ging er weiter, da lag der ganze Hofstaat und schlief, und noch weiter, der König und die Königin; und es war so still, daß einer seinen Athem hörte, da kam er endlich in den alten Thurm, da lag Dornröschen und schlief. Da war der Königssohn so erstaunt über ihre Schönheit, daß er sich bückte und sie küßte, und in dem Augenblick wachte sie auf, und der König und die Königin, und der ganze Hofstaat, und die Pferde und die Hunde, und die Tauben auf dem Dach, und die Fliegen an den Wänden, und das Feuer stand auf und flackerte und kochte das Essen fertig, und der Braten brutzelte fort, und der Koch gab dem Küchenjungen eine Ohrfeige, und die Magd rupfte das Huhn fertig. Da ward die Hochzeit von dem Königssohn mit Dornröschen gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.

Kaum aber hatte sie die Spindel angerührt, so stach sie sich damit, und alsbald fiel sie nieder in einen tiefen Schlaf. In dem Augenblick kam der König mit dem ganzen Hofstaat zurück, und da fing alles an einzuschlafen, die Pferde in den Ställen, die Tauben auf dem Dach, die Hunde im Hof, die Fliegen an den Wänden, ja das Feuer, das auf dem Heerde flackerte, ward still und schlief ein, und der Braten hörte auf zu brutzeln, und der Koch ließ den Küchenjungen los, den er an den Haaren ziehen wollte, und die Magd ließ das Huhn fallen, das sie rupfte und schlief, und um das ganze Schloß zog sich eine Dornhecke hoch und immer höher, so daß man gar nichts mehr davon sah.

Prinzen, die von dem schönen Dornröschen gehört hatten, kamen und wollten es befreien, aber sie konnten durch die Hecke nicht hindurch dringen, es war als hielten sich die Dornen fest wie an Händen zusammen, und sie blieben darin hängen und kamen jämmerlich um. So währte das lange, lange Jahre: da zog einmal ein Königssohn durch das Land, dem erzählte ein alter Mann davon, man glaube, daß hinter der Dornhecke ein Schloß stehe, und eine wunderschöne Prinzessin schlafe darin mit ihrem ganzen Hofstaat; sein Großvater habe ihm gesagt, daß sonst viele Prinzen gekommen wären und hätten hindurchdringen wollen, sie wären aber in den Dornen hängen geblieben und todtgestochen worden. »Das soll mich nicht schrecken, sagte der Königssohn, ich will durch die Hecke dringen und das schöne Dornröschen befreien;« da ging er fort, und wie er zu der Dornhecke kam, waren es lauter Blumen, die thaten sich von einander, und er ging hindurch, und hinter ihm wurden es wieder Dornen. Da kam er ins Schloß, und in dem Hof lagen die Pferde und schliefen, und die bunten Jagdhunde, und auf dem Dach saßen die Tauben und hatten ihre Köpfchen in den Flügel gesteckt, und wie er hineinkam, schliefen die Fliegen an den Wänden, und das Feuer in der Küche, der Koch und die Magd, da ging er weiter, da lag der ganze Hofstaat und schlief, und noch weiter, der König und die Königin; und es war so still, daß einer seinen Athem hörte, da kam er endlich in den alten Thurm, da lag Dornröschen und schlief. Da war der Königssohn so erstaunt über ihre Schönheit, daß er sich bückte und sie küßte, und in dem Augenblick wachte sie auf, und der König und die Königin, und der ganze Hofstaat, und die Pferde und die Hunde, und die Tauben auf dem Dach, und die Fliegen an den Wänden, und das Feuer stand auf und flackerte und kochte das Essen fertig, und der Braten brutzelte fort, und der Koch gab dem Küchenjungen eine Ohrfeige, und die Magd rupfte das Huhn fertig. Da ward die Hochzeit von dem Königssohn mit Dornröschen gefeiert, und sie lebten vergnügt bis an ihr Ende.